17.12.09, admin
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Forschungsprojekt (DORE=Do-Research) des Schweizerischen Nationalfonds und der Hochschule Luzern, Design&Kunst

Holyspace, Holyways

Ausgangslage des Forschungsprojektes

Untersucht wird die Rolle des zeitgenössischen Kunstschaffens bei der Vermittlung und Repräsentation privater und öffentlicher Religiosität am Beispiel der Innerschweiz.

Das Projekt fragt aus der Perspektive der Kunstschaffenden nach Möglichkeiten des Zugangs zum Religiösen, die weder der Politik noch der Kirche angehören und auch nicht einfach ins Privat-Esoterische führen. Die These dabei lautet, dass Kunst ein offenes und zunächst neutrales Feld anbietet für Auseinandersetzungen mit religiöser Ikonographie und religiösen Bedeutungen. Damit leistet sie eine wichtige Vermittlungsarbeit für den aktuellen gesellschaftlichen Wandel in Bezug auf Religion und Glauben.

Das Projekt geht davon aus, dass das Religiöse auf der Ebene des Einzelnen wie innerhalb der säkularen Gesellschaft in den letzten Jahrzehnten eine neue Bedeutung erhalten hat, was auch zu neuen Auseinandersetzungen innerhalb der zeitgenössischen Kunst mit Fragen der Religion führt: Ob in der Metaphysik im Werk von Bill Viola, in Christoph Schlingensiefs Installationen oder Kreuzen im öffentlichen Raum: Kunst und Kunstwelt stehen in einem aktiven und neu erstarkten Dialog mit Fragen des Religiösen. In der Kulturwissenschaft wie in der Religionssoziologie geht man ebenfalls von einer neuen Aktualität von Religion in Bezug auf den öffentlichen Diskurs aus; kulturwissenschaftliche Studien sprechen von einem „Nachleben der Religionen“, von der „Rückkehr der Religion“ oder von „Religiöser Wellness“; Pilgerreisen erleben einen Boom, Bibelparks und Ferien mit spirituellem Gehalt werden geplant – während Kirchen und Klöster sich zunehmend leeren und umfunktioniert werden.

Das Erkenntnisinteresse des Projekts schlägt somit den Bogen zu einer alten und ursprünglichen Verbindung von Kunst und Religion, der Verbindung zum Imaginären, Unsichtbaren, Heiligen und sucht dafür die Anschlüsse in der Gegenwart.

Kunst und Religion, so die These, sind beides Symbolsysteme, die das aufbewahren, was die moderne Wissensgesellschaft ausblendet und was sich deshalb umso mehr zurückmeldet.

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Das dreijährige DORE-Forschungsprojekt vollzieht sich in drei Etappen:

1

Im ersten Teil werden unterschiedliche Perspektiven auf das Religiöse in der zeitgenössischen Kunst erforscht durch Interviews mit Kunstschaffenden v.a. aus der Innerschweiz. Einzelne ihrer Werke werden in der Stadtmühle Willisau gezeigt und exemplarisch analysiert.

2

Der zweite Teil stellt das Thema in den Kontext von Bildung und Gesellschaft: welchen Beitrag kann zeitgenössische Kunst leisten für das Verständnis und die Bedeutung von Religion im interdisziplinären Dialog? Wie wirken künstlerische Werke und Prozesse in Theologie, Kunst- und Religionspädagogik? Welche Modelle lassen sich aus den gewonnenen Erkenntnissen für den Unterricht ableiten?

3

Im dritten Teil geht es um den Zusammenhang von Religion und Kunst in der Öffentlichkeit und in der Kulturvermittlung. Die Resultate führen zu einem Praxistest, in welchem in einem noch zu bestimmenden Format ein Kunstprojekt einen zeitgenössischen und innovativen Dialog sucht zwischen Religion und Gesellschaft.

Die verschiedenen Etappen des Projektes werden dokumentiert durch einen Reader, der die Forschungsergebnisse einem interessierten Kreis aus Kunst, Kunstpädagogik, Kirche und Religionspädagogik zur Verfügung stellt.